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ESG-Filter sind ein fester Bestandteil im DJE-Investmentprozess

Ob Menschenrechte, verantwortungsvolle Unternehmensführung oder Umweltschutz – für die DJE Kapital AG (kurz: DJE) ist das Thema Nachhaltigkeit von großer Bedeutung. Im Interview erläutert Richard Schmidt, Co-Fondsmanager des DWS Concept DJE Responsible Invest, den Ansatz von DJE.


Was steckt hinter ESG-gerechtem bzw. nachhaltigem Investieren?

Ziel nachhaltigen Handelns soll es sein, das Leben anderer Menschen und zukünftiger Generationen nicht negativ, sondern positiv zu beeinflussen. Nachhaltiges Investieren bezieht sich dabei nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf die Felder Soziales und Unternehmensführung (kurz: ESG).

So sollte ein nachhaltiges Vergütungssystem für Vorstände nicht auf kurzfristige Profite ausgelegt sein, ein nachhaltiger Arbeitsplatz garantiert dem Arbeitnehmer ergonomische Arbeitsbedingungen.

Hat die Coronapandemie den Nachhaltigkeitsgedanken in den Hintergrund verschoben – oder ist er wichtiger geworden? Bei den Unternehmen? Bei den Anlegern?

Das Thema Coronavirus hat im zweiten Quartal dieses Jahres so gut wie alle anderen Themen in den Hintergrund gedrängt. Die unmittelbaren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft waren massiv.

Nichtsdestotrotz ist das Thema Klimawandel und Nachhaltigkeit langfristig bedeutender, denn hiervon hängt das Wohlergehen der gesamten Menschheit ab.

Nachhaltiges Handeln in Bezug auf die Coronakrise würde unter anderem bedeuten, dass man die Lebendtiermärkte, die man weltweit noch häufig vorfindet und die als Brutstätte neuer Virenarten gelten, schließt oder zumindest hygienisch strengstens kontrolliert. Damit könnte weiteren Pandemien vorgebeugt werden.

Politisch gesehen wird das Thema Nachhaltigkeit mit der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch die Deutschen im zweiten Halbjahr 2020 auch auf der EU-Ebene neuen Schwung erfahren.

Dabei geht es im Wesentlichen darum, stark CO2-emittierende Länder wie Polen und ihre Gegenpole wie Frankreich zusammenzubringen. Unternehmen sind dabei, nachhaltige Prozesse und Handlungsweisen zu verinnerlichen.

Bei den Anlegern gibt es dagegen ein geteiltes Bild. Institutionelle Anleger und ein Teil der Privatanleger fragen aktiv nachhaltige Fondsanlagen nach, für einen immer noch recht großen Teil der Privatanleger spielt das Thema dagegen nach wie vor keine Rolle. Unser Job ist es auch, diese Anleger davon zu überzeugen, dass nachhaltiges Investieren auch Mehrrendite bedeuten kann.

Ist nachhaltiges Investieren denn auch unter Renditeaspekten attraktiv?

In den letzten Jahren gab es zahlreiche Studien, die Nachhaltigkeitsfonds mit konventionellen Fonds verglichen haben. Deutlich geworden ist dabei, dass Nachhaltigkeitsfonds gleich gut oder besser abschneiden als vergleichbare nichtgrüne Produkte.

Ein wichtiger Punkt ist, dass nachhaltiges Investieren viele Anleger zu profitablen Investments in sogenannte Supertrends veranlasst. Dabei wird in Unternehmen investiert, die zum Beispiel von den Megatrends Alterung der Gesellschaft, elektrische Mobilität oder Gesundheit profitieren.

Im DWS Concept DJE Responsible Invest beispielsweise spielt der Trend zur Brennstoffzelle bzw. zur Wasserstofftechnologie eine große Rolle.

Trägt denn Nachhaltigkeit dazu bei, die Risiken eines Investments zu senken?

Ja, denn die Investmentaspekte eines Unternehmens werden ganzheitlicher betrachtet, was dazu beiträgt, auch das Investmentrisiko zu senken. Ging es früher im Wesentlichen um Umsatzerlöse, Profitabilität und Bewertung, so kommen nun ESG-Gesichtspunkte hinzu.

Im Umweltbereich etwa Wasser- und Energiemanagement, Art der Produktverpackung, Biodiversität und so weiter. Im Sozialen geht es um Datensicherheit, Arbeitsbedingungen, Lieferketten, Entgelte und Verbraucherschutz. Bezieht man all diese Punkte in seine Investmententscheidung ein, so bekommt man ein umfassenderes Bild des Unternehmens und reduziert das Risiko einer Fehleinschätzung.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit bei DJE?

DJE gehört zu den Unterzeichnern der „Prinzipien für verantwortliches Investieren“ der Vereinten Nationen (UNPRI). Wir möchten uns anvertraute Gelder in die Unternehmen investieren, die mit ihren Produkten und ihrer Unternehmensführung unseren moralischen Werten am ehesten entsprechen.

Das Fondsangebot sowie die Vermögensverwaltung sind deshalb seit 2018 auf die Einhaltung übergreifender Nachhaltigkeitskriterien wie Umweltschutz und die Einhaltung von Menschenrechten sowie Arbeitsstandards ausgerichtet. Wir haben diese Kriterien im Investmentprozess verankert und folgen ihnen aus Überzeugung.

Ein wichtiger Hebel, der sich fundamental orientierten Investoren wie DJE bietet, ist das Thematisieren von ESG-Schwächen und langfristig negativen Auswirkungen auf Unternehmen gegenüber ihren hochrangigen Managern. Dieses Engagement kann viel direkter einen Veränderungsimpuls bei Unternehmen bewirken als beispielsweise das bloße Anwenden von Ausschlusskriterien.

Wie stellen Sie die Einhaltung dieser Nachhaltigkeitskriterien sicher?

Um die Einhaltung von Nachhaltigkeitsprinzipien systematisch sicherzustellen, arbeiten wir mit MSCI ESG Research, dem international führenden Anbieter von Analysen und Ratings im Bereich Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, zusammen.

Das gesamte Aktienuniversum wird anhand der MSCI-ESG-Filter durchleuchtet, unter anderem nach CO2-Ausstoß relativ zum Umsatz, nach Land- und Rohstoffverbrauch, Wasserqualität, Biodiversität oder Korruption.

Auf diese Weise können wir Unternehmen ausschließen, die gegen den sogenannten UN Global Compact verstoßen – einen weltweiten Pakt, der zwischen Unternehmen und den Vereinten Nationen geschlossen wurde, um die Globalisierung sozialer und ökologischer zu gestalten.

Dadurch sinkt das unternehmensspezifische Anlagerisiko. Es werden Risiken vermieden, die durch Verstöße gegen Menschen- und Arbeitsrechte oder durch Umweltverschmutzung ausgelöst werden.

Wie stellen Sie sicher, dass die als ESG-konform klassifizierten Unternehmen nicht mit Unternehmen zusammenarbeiten, die diese Kriterien nicht erfüllen?

Wir haben uns für MSCI entschieden, da diese eine langjährige Expertise haben, nicht nur ESG-Filter zur Verfügung zu stellen, sondern die Unternehmen dahinter auch intensiv auf Hunderte von ESG-Kriterien zu kontrollieren.

Dabei werden nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch deren Tochterunternehmen und die gesamte Lieferkette geprüft. Da die Unternehmen selbst auch daran interessiert sind, auf die „Positivliste“ zu kommen, steigt die Kooperationsbereitschaft mit zunehmendem ESG-Engagement der Investoren.

Bei Verstößen kommen die Unternehmen auf die „Blacklist“ – und sind für unsere Portfolios erst einmal ausgeschlossen. MSCI informiert dann auch genau, welches Vergehen vorliegt – und beobachtet das jeweilige Unternehmen weiterhin intensiv, um entscheiden zu können, ob dieses irgendwann wieder auf die „Positivliste“ kommt. 

Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit MSCI ESG Research aus?

Über MSCI ESG Research erhalten wir fundamentale Nachhaltigkeits- und Kontroversen-Reports zu globalen Unternehmen, die in die Bottom-up-Analysearbeit unserer Einzeltitelanalysten einfließen.

Zusätzlich führen wir quantitative Screenings durch, um unter Nachhaltigkeitsaspekten einen Überblick über die Unternehmen zu bekommen. Beispielsweise identifizieren wir so die Unternehmen, die wir aus unserem Anlageuniversum ausschließen wollen.

Das quantitative Datenangebot lässt sich hervorragend in unsere hauseigene Research-Datenbank integrieren. So wird sichergestellt, dass ESG-Belange bereits am Anfang des Investmentprozesses berücksichtigt werden.

Ist dieser erweiterte Fokus auf Nachhaltigkeit nicht nur Marketing, um mehr Kunden zu gewinnen – oder gar „Greenwashing“?

Nein, absolut nicht. Durch die Unterzeichnung der UNPRI-Richtlinien haben wir uns bewusst dazu entschieden, uns nach strengen Prinzipien nachhaltigen Investierens in den Bereichen Umweltschutz, Soziales und Unternehmensführung zu richten sowie die Akzeptanz und die Umsetzung der Grundsätze in der Investmentindustrie aktiv mitzugestalten und voranzutreiben.

Da unsere eigenen Aktivitäten und Fortschritte im Rahmen der Umsetzung der Grundsätze regelmäßig kommuniziert und veröffentlicht werden, würde es spätestens hier auffallen, wenn wir „Greenwashing“ betreiben würden.

Nicht erst jetzt beschäftigen wir uns mit dem Thema ESG, sondern schon seit Langem versuchen wir als eigentümergeführtes Familienunternehmen, Nachhaltigkeitsprinzipien in unseren Alltag zu integrieren und auch in unseren Portfolios entsprechend umzusetzen.

Da das Thema Nachhaltigkeit einen immer größeren Stellenwert bei Investoren und in der Öffentlichkeit einnimmt, kommunizieren wir das jetzt einfach aktiver als in der Vergangenheit.

Bleiben Investoren-/Kundenbedürfnisse nach Rendite bei verstärkter Ausrichtung auf Nachhaltigkeit nicht irgendwann auf der Strecke?

Ganz im Gegenteil. Durch die ESG-Konformität unserer Fonds reduzieren wir Unternehmensrisiken. Bei Skandalen oder Umweltschäden geht der Aktienkurs des betroffenen Unternehmens meist schnell in den Keller.

Durch das Zusammenspiel von MSCI und unseren hauseigenen-ESG-Filtern kommen solche Unternehmen möglichst gar nicht erst ins Portfolio.

Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass es kein Verzicht ist, einen Titel nicht im Portfolio zu haben, wenn mit diesem der Verstoß gegen Menschen- oder Arbeitsrechte oder gegen Umweltschutz einhergeht. Unsere Aufgabe ist, nicht nur Markt- und Währungsrisiken zu vermeiden, sondern auch solche Verstöße.


Dies ist eine Finanzstimme von Richard Schmidt, Co-Fondsmanager des DWS Concept DJE Responsible Invest, Leiter Absolute Return, DJE Kapital AG