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Female Finance – warum Finanzplanung der Schlüssel ist und wir keine „rosa Finanzen“ brauchen!

von Lisa Hassenzahl

Seit einigen Jahren gewinnt das Thema „Frauen und Finanzen“ erfreulicherweise deutlich an Bedeutung – in den Medien, insbesondere in Social Media, in der öffentlichen Diskussion und vor allem auch für Banken.

Frauen als neue Zielgruppe – immerhin etwas mehr als 50 Prozent der Bevölkerung … – werden mit gezielten Angeboten, Werbespots und frauenspezifischen Themen adressiert. In den sozialen Medien liefern „Finfluencerinnen“ alles, was frau wissen muss, um sich selbst um ihre Finanzen zu kümmern. „Female Finance“ ist das neue Lieblingsthema in vielen Podcasts und Zeitungsartikeln.

Aber was genau ist eigentlich „Female Finance“? Brauchen wir das und sind „rosa Finanzen“ tatsächlich die Lösung, um Frauen dazu zu bringen, sich für ihre Finanzen zu interessieren?

Unter dem Überbegriff „Female Finance“ finden sich von Karrieretipps für Frauen bis hin zu weiblichen Start-up-Investorinnen viele verschiedene Themenbereiche. Ein großer Schwerpunkt ist aber „Finanzwissen und Kapitalanlage für Frauen“. Hier lässt sich festhalten, dass diese Entwicklung sehr positiv zu bewerten ist. Jeder Zeitungsartikel, Blogbeitrag oder Social-Media-Post trägt dazu bei, mehr Frauen zu erreichen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wichtig es ist, die eigenen Finanzen selbst in die Hand zu nehmen.

Denn auch wenn es im Innern der „Informationsblase“ so scheint, als könnte man sich dem Thema gar nicht mehr entziehen, zeigen Gespräche im Bekanntenkreis oder auch Studien, dass viele Frauen noch nichts von Angeboten wissen, die eigens für Frauen gedacht sind.

Muss eine Frau zwingend von einer Frau beraten werden? Nein, natürlich nicht. Es geht nicht darum, dass Frauen ausschließlich Anlagetipps oder eine Beratung durch eine Frau brauchen. Tatsächlich gibt es auch Frauen, die gerade keine Extraberatung für Frauen haben möchten und sich deshalb von einem Mann beraten lassen wollen. Auch gut, Hauptsache, sie kümmern sich um ihre Finanzen.

Es geht vielmehr darum, ein Angebot zu schaffen, das Frauen nutzen können, wenn sie dies möchten – und zwar nicht nur in Werbespots oder auf Plakaten, sondern in der tatsächlich gelebten Praxis. Denn jetzt kommen wir zum springenden Punkt: Was wir sicher nicht brauchen, sind „rosa Finanzen“. Darunter fallen zum Beispiel spezielle Produktlösungen für Frauen oder bis zur fachlichen Fragwürdigkeit vereinfachte Angebote, gern auch in Kombination mit sehr viel Rosa und Pink, denn die treffen nicht den Kern des Problems.

Was Frauen und Männer in Sachen Finanzen wirklich unterscheidet, ist die grundlegende Herangehensweise. Frauen haben oft ein deutlich größeres Informationsbedürfnis, möchten Zusammenhänge besser verstehen und haben vor allem den Wunsch, mit ihrer Ausgangssituation, ihren Zielen und ihren Herausforderungen im Mittelpunkt der Beratung zu stehen. Kurz gesagt: Frauen interessieren sich in erster Linie für ihre Finanzplanung und erst dann für konkrete Anlageprodukte, was in vielen Studienergebnissen gern mit „Frauen interessieren sich nicht für ihre Finanzen“ fehlinterpretiert wird. Mit der Finanzplanung als Ausgangspunkt zu starten, ist eine sinnvolle Herangehensweise, die Frauen – das zeigen Studien – dann auch bei der Kapitalanlage langfristig erfolgreicher macht.

Für die klassischen Vergütungsmodelle der Finanzdienstleistung stellt sich dann aber die Frage, wie sich die Werbeversprechen in Sachen „Beratung für Frauen“ überhaupt realisieren lassen oder ob es für die neu entdeckte Kundengruppe nicht neuer Ansätze bedarf. 

Kurz gesagt: Ja, wir brauchen „Female Finance“, denn wir haben noch einen langen Weg vor uns. Die falsche Abzweigung ist allerdings, wenn Frauen unter dem Deckmantel des „Female Empowerment“ in rosa Produktfallen gelockt werden oder wenn eine zu starke Vereinfachung in Blogbeiträgen oder Social-Media-Posts dazu führt, dass Frauen zwar einen Zugang zum Thema finden, aber Entscheidungen auf Basis falscher Informationen treffen.


Über die Autorin:

Lisa Hassenzahl, CFP®, Geschäftsführerin YPOS Finanzplanung GmbH,
Geschäftsführerin Her Family Office GmbH


Dies ist ein Artikel aus unserem FINANCIAL PLANNING Magazin. Hier geht es zu der aktuellen Ausgabe: